Nachbericht: „Vigilien“ in München am 25. April 2017

Auch am Dienstag den 25. April zog eine Gruppe christlich fundamentalistischer Lebensschützer*innen mit einem sogenannten „Vigil“ durch die Münchner Innenstadt. Außer ein wenig Verkehrschaos und verwirrt dreinblickender Passant*innen geschah nicht viel.

Den ganzen Beitrag inklusive Bilderstrecke findet Ihr hier: Reflektierter Bengel 

 

„Gender-Kongress“ in Nürnberg

Zum zweiten Mal nach November 2015 will die maskulistische, antifeministische Szene einen sog. „Deutschen Gender-Kongress“ in Nürnberg durchführen (9.00 Uhr bis 17.00 Uhr, Messezentrum NCC Ost, Karl-Schönleben-Straße 1).

Mit einer wissenschaftlichen Debatte  zu Gendertheorien oder politischer Diskussion antipatriarchaler Gleichstellungspolitiken hat die Veranstaltung – wie bereits 2015 – augenscheinlich überhaupt nichts zu tun. In der aktuellen Ankündigung heißt es: „Wenn Frauen und Mädchen Opfer sind, ist Leidenschaft und politisches Engagement in unserer Gesellschaft reichlich vorhanden. Ihren Bedürfnissen wird in den Medien und der Politik hohe Aufmerksamkeit geschenkt. Geht es jedoch um die Bedürfnisse und dem Leiden von Jungen, Männern und Vätern, stößt man auf eine Blockade. Diese Themen werden ausgeblendet – es sei denn, es geht darum, ihnen etwas vorzuwerfen oder sie herabzusetzen.“ (Fehler im Original). Die Veranstalter verhöhnen die Kampagne des Bundesfamilienministeriums gegen häusliche Gewalt („Was passiert, wenn ich ihn anzeige?“) und schreiben: „Was soll schon passieren? Du kriegst die Kinder, die Wohnung und ihn bringst du für 5 Jahre unschuldig in den Knast“.

Die sog. „maskulistische“ Szene bekennt sich in Zusammenhang mit dem Treffen in Nürnberg aber auch zu homophoben Aktivitäten. So heißt es: „Der Kongress basiert inhaltlich auf der Arbeit folgender Verbände, Vereine und Initiativen bzw. deren Mitglieder“ und dann folgt nicht nur das Who is Who der Maskulisten von „Manndat“, „Gender Wahn stoppen!“ bis „WikiMannia“ mit ihren Symbolen und Bannern, sondern auch das Logo der homophoben „Demo für Alle“. Als Veranstalter wird die „Trade 5 GmbH Event & Kongress“ (München) benannt, „in Zusammenarbeit mit Väter-Netzwerk e. V.“ (Stein bei Nürnberg). Im Impressum der Webseite zum Kongress firmieren „Trade 5“-Geschäftsführer Rainer Winter sowie Frank Mehding als „inhaltlich Verantwortliche gemäß §6 MDStV“. Im Anschluss an den sog. „Gender-Kongress“ (17.30 Uhr bis ca. 22.00 Uhr) soll am selben Ort ein „Bundesverband ‚Jungen, Männer & Väter e.V., Berlin’“ gegründet und der „Männerrechts“-Film „The Red Pill“ gezeigt werden.

Quelle: a.id.a. Archiv 

Hintergründe zu unseren Gegner*innen

Ab sofort findet Ihr unter „Gegner*innen“ eine Übersicht zu Gruppierungen, Parteien und Personen, die antifeministische und homefeindliche Positionen vertreten.

An dieser Übersicht wird kontinuierlich weitergearbeitet und wir erheben selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Über Hinweise und Tipps freuen wir uns jederzeit. Schreibt uns einfach eine kurze Mail an: asa_m@riseup.net.

Liebe Grüße,

Euer asa_m-Team 🙂

„Lebensschützer*innen“ vergleichen Abtreibung mit Massentötung in der NS-Zeit

„Warum begeht ihr nicht einfach Selbstmord?“ Das fragte ein besonders aufdringlicher Teilnehmer der Demonstration gegen Abtreibung in Freiham die anwesenden Gegendemonstrant*innen.

Aufgerufen zur Mahnwache unter dem Motto „Zukunft statt Abtreibung“ hatten verschiedene Gruppen, darunter vor allem die „Aktion Lebensrecht für Alle“ (ALfA) und die CDU/CSU-nahe Organisation „Christdemokraten für das Leben“ (CDL), sowie die „Arbeitsgemeinschaft Lebensrecht München“ (ALM). Erschienen waren rund 70 Abtreibungsgegner*innen, die an der von Christiane Lambrecht (Landesvorsitzende CDL Bayern) moderierten Veranstaltung teilnahmen.

Zentrales Kundgebungsmittel der Abtreibungsgegner*innen war eine Wäscheleine mit Socken. Am Ende der Veranstaltung nahmen sie von dieser neun von zehn Sockenpaaren ab, um die Zahl der Abtreibungen von Kindern, bei denen durch Pränataldiagnostik eine Erkrankung am sogenannten Down-Syndrom (Trisomie 21) festgestellt wurde, zu verbildlichen. Die Abtreibungen von Kindern, bei denen ein Handicap festgestellt wurde, verglichen die Abtreibungsgegner*innen kurzerhand mit der in der NS-Zeit als „Euthanasie“ bezeichneten Massentötung von Menschen mit Behinderung. Dieser relativierende Vergleich von Christiane Lambrecht ist einfach nur widerlich.

Neben Christiane Lambrecht sprachen unter anderem auch die Vorsitzende des Regionalverbands München der ALfA, Antonia Egger, sowie ein Mitglied der CSU, das von Christiane Lambrecht als „Herr Stefan“ vorgestellt wurde. „Herr Stefan“ kritisierte den Schatzmeister der CSU München und gleichzeitigen Vermieter der Klinik von Friedrich Stapf, Hans Hammer, der es erst möglich gemacht habe, dass in Freiham eine Abtreibungsklinik entstehen konnte.

Insgesamt versuchten die Redner*innen der Demonstration immer wieder, Menschen mit Handicap für ihre Ziele zu instrumentalisieren. So auch Antonia Egger. Als Vorsitzende des Regionalverbands München der ALfA hätte Egger sicherlich mehr zum Thema Abtreibungen beizutragen gewusst, als von ihrem Handicap, einer Querschnittslähmung, zu berichten, doch von Christiane Lambrecht als eine potenzielle Betroffene von Abtreibungen vorgestellt, blieb ihr kaum etwas anderes übrig, als von ihrer „Lebenslust“ zu berichten.

Geschichtsrelativierende Aussagen und Diskriminierungen von Menschen mit Handicaps blieben jedoch nicht die einzigen fragwürdigen Positionen dieser Mahnwache. Ziel der selbsternannten „Lebensschützer*innen“ ist schließlich ein generelles Abtreibungsverbot, denn für sie, das schreibt beispielsweise die „Jugend für das Leben“ auf ihrer Webseite, gilt bereits die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle und alle folgenden Stadien, als menschliches Leben. In der Argumentation der Abtreibungsgegner*innen spielt der Wille der Frauen* dabei keine Rolle. Vielmehr maßen sich die Abtreibungsgegner*innen an, Frauen* vor einem Fehler, den diese lebenslang bereuen würden, zu bewahren. Und auch rassistische Positionen werden am Rande der Demo immer wieder laut. So wünscht einer der Teilnehmer den Gegendemonstrant*innen viel Spaß mit der „Scharia“ und reproduziert damit ein Bild der extremen Rechten. Verwunderlich ist das kaum, schließlich handelt es sich insbesondere bei der CDL um eine CSU-nahe Organisation und auch die ALfA war in der Vergangenheit immer wieder wegen Sympathien zu extrem rechten Gruppierungen in Kritik geraten [1].

[1] Vgl. bspw. http://www.sueddeutsche.de/muenchen/designierter-gesundheitsreferent-sympathie-fuer-radikale-abtreibungsgegner-1.2323625

Für eine SELBSTBESTIMMTE Zukunft

Für den 24. März ruft die „Aktion Lebensrecht für Alle e.V.“ (AlfA) zu einer Mahnwache unter dem Motto „Zukunft statt Abtreibung“ vor dem Medicare-Zentrum in München Freiham auf. Doch mit „Zukunft“ hat das, was die so genannten „Lebensschützer*innen“ wollen, nicht im Geringsten etwas zu tun!

Der deutsche Staat lässt sich das Recht darüber zu bestimmen, was mit dem Körper der Frau* zu passieren hat, bis heute nicht nehmen. So regelt der Paragraf 218, dass ein Schwangerschaftsabbruch mit „Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft“ werden soll. Dass man als Frau*, die sich letztendlich doch für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidet, nicht gleich in den Knast wandert, haben wir dem Zusatzparagraphen 218a zu verdanken, der seinen Vorgänger zwar abmildert, aber keinesfalls vergessen lässt. Paragraf 218a besagt, dass Frauen*, die sich mindestens drei Tage vor der Abtreibung einer Beratung unterzogen haben und versichern können, dass der Zeitpunkt der Empfängnis nicht länger her ist als 12 Wochen, legal den Abbruch vornehmen lassen können. So weit so ungut. Die Selbstbestimmung der Frau* ist und bleibt in Deutschland in einem lausigen Zusatzartikel verpackt.

„Lebensschützer*innen bspw. der AlfA würden zu gern noch einen Schritt weiter zurück in die Vergangenheit gehen und die Situation von vor 1976 wieder herstellen, wo Abtreibungen schlicht verboten waren. Ihr „Argument“: Die befruchtete Eizelle, faktisch ein Zellhaufen, dem aber von den „Lebensschützer*innen“ schon allerlei Eigenschaften zugesprochen werden, ist bereits ein Kind, weswegen ein Schwangerschaftsabbruch eine „vorgeburtliche Kindstötung“ darstelle. Der Paragraf 218 gehört in ihren Augen wieder abgeschafft, der Schwangerschaftsabbruch verboten und bestraft. Die Folgen wären, dass wie früher Quacksalber an Schwangeren herumpfuschen, Frauen* sich lebensbedrohliche Infektionen zuziehen oder bei den Eingriffen verbluten.

Strafrechtlich verfolgt wird Abtreibung also nicht, als moralisch verwerflich gilt sie in vielen Gesellschaftsschichten allerdings noch immer. Und genau in diese Kerbe schlagen die „Lebensschützer*innen“. Ihre „Aufklärungsarbeit“ fokussiert sich unter anderem darauf, Frauen* vor Abtreibungskliniken wie der in Freiham aufzulauern, ihnen z. B. Embryonen aus Plastik in die Hand zu drücken, um Schuldgefühle zu wecken oder sie – wenn nötig auch mit Gewalt – am Betreten von Abtreibungskliniken zu hindern. Diese systematische psychische Erpressung muss sofort aufhören! Darum rufen wir dazu auf, die Mahnwache in Freiham zu verhindern.

Selbstbestimmung muss es geben
Wir kämpfen nun schon seit Jahren für eine Gesellschaft, in der alle frei über ihren Körper entscheiden können – unabhängig von religiösen, moralischen oder staatlichen Einflüssen. Doch diese Art der Gesellschaft ist hinsichtlich des antifeministischen Rollbacks wieder einmal massiv bedroht.

2017 und 2018 stehen Wahlen an. Rechte Parteien wie CSU oder AfD machen sexistische und homofeindliche Inhalte wie selbstverständlich zum Inhalt ihrer Politik und fischen so bewusst am braunblauen Rand. Während die AfD mit ihrer Familienpolitik die Zeit gern um 50+ Jahre zurückdrehen und Frauen* ohne Mitspracherecht an den Herd binden würde, überlässt CSU Kultusminister Spänle die Gestaltung von Bildungsplänen reaktionären Kräften, die allein bei der Erwähnung des Begriffes „Feminismus“ anfangen, „GENDER-WAHN“ zu kreischen.

Mit „Zukunft“ hat das alles mitnichten etwas zu tun. Und die AlfA? Die planscht mit ihren Ideologien munter mit im Sammelbecken reaktionärer, nationalistischer und völkischer Positionen und politischer Kräfte. Sie schwafeln vom „Volkstod im Mutterleib“ von „Kindsmord“ und „Massenvernichtung“… bei diesem völkischen Geblubber ist es nicht überraschend, dass auch Neonazis bei ihren Veranstaltungen munter mitmischen.

Die feministischen Kämpfe sind noch lange nicht gewonnen. Reaktionäre Ideologien müssen immer und überall bekämpft werden und wenn sie wie am 24. März so offen zu Tage treten, dann erst recht!

Antisexistische Aktion München 

Treffpunkt ist um 15:30 Uhr vor dem Medicare-Zentrum (Hans-Stützle-Straße, am S-Bahnhof) in Freiham.

Münchner Polizei reagiert aggressiv auf Gegenprotest gegen christliche FundamentalistInnen

Beim Gegenprotest gegen christliche FundamentalistInnen in der Münchner Innenstadt am Morgen des 25. Februar provoziert die Münchner Polizei unnötigerweise den friedlichen Gegenprotest, verletzt mindestens drei Aktivist*innen und nimmt acht von ihnen vorläufig in Gewahrsam.

Nachdem der Gegenprotest mit Parolen wie „Kein Gott, Kein Staat, Kein Patriarchat“ und „My Body, My Choice, Raise your Voice“ lautstark seinen Unmut über die reaktionäre und antifeministische Hetze der christlichen FundamentalistInnen kund tat, eskalierte die Situation in der Türkenstraße. Den Beamt*innen der hinzugerufenen Bereitschaftspolizei schien es nicht schnell genug voran zu gehen und griffen unvermittelt und ohne Ankündigung den Gegenprotest an. Eine Gruppe von Aktivist*innen wurde gewaltsam von der Straße geschoben, teilweise zu Boden gestoßen, anschließend von der Polizei an einen Zaun gedrückt und für über 20 Minuten dort festgehalten. Anschließend wurden acht Gegendemonstrant*innen mit dem Vorwurf der Nötigung ins Polizeirevier in der Ettstraße verbracht, wo sie nach knapp zwei Stunden wieder entlassen wurden.

„Gegenprotest in Seh- und Hörweite ist ein Grundrecht von dem wir Gebrauch gemacht haben“, sagte eine Aktivistin im Anschluss. „Warum die Beamt*innen so überreagierten und eine friedliche Gegendemo angriffen kann ich mir nicht erklären. Die Provokation ging eindeutig von der Polizei aus, der Vorwurf der Nötigung ist einfach absurd.“

Das Schauspiel wird sich vermutlich schon nächsten Monat wiederholen. Auch dann will das Grüppchen, angeführt von Wolfang Hering von Euro Pro Life e.V. wieder mit ihrer Marien-Ikone und Schildern durch die Straßen ziehen und ihre antifeministische Propaganda verbreiten.

Nicht ohne Gegenprotest!

Gegen das Patriarchat. Für ein selbstbestimmtes Leben!

Fundis zum Teufel jagen!

Am 25.2. wollen selbsternannte „Lebensschützer*innen“ wieder einmal ihren Gebetsmarsch durch die Münchner Innenstadt veranstalten. Betend will das Grüppchen, angeführt von Wolfang Hering von Euro Pro Life e.V. , dann mit ihrer Marien-Ikone und Schildern durch die Straßen ziehen und ihre antifeministische Propaganda verbreiten.

Christliche Fundamentalist*innen sind große Fans der biblischen Schöpfungsgeschichte und -ordnung. „Adam und Eva“ stehen dabei für eine strikt zweigeschlechtliche Ordnung, die Heterosexualität als Norm festsetzt. Gleichzeitig bildet dieses Weltbild die Basis für ihre frauen*feindliche, und rassistische Ideologie und ihre Hetze gegen die LGBTQI*-Community.

Ginge es nach ihnen, würde das Recht der Frau* auf Schwangerschaftsabbruch sofort rückgängig gemacht werden, denn der weibliche Körper gehört ja nicht der Frau* sondern Gott und der Nation. Dieser Denke liegen also nicht nur ekelhaft antifeministische sondern darüber hinaus völkische Ideologien zu Grunde. Das Selbstbestimmungsrecht der Frau* wird mit Füßen getreten, ihr Körper hat gefälligst dem Volkskörper dienen.

Es mag für die ein oder anderen vielleicht lustig anmuten, dass da ein Grüppchen betend durch die Gegend stiefelt. Doch es wäre fatal, die „Lebensschützer*innen-Bewegung“ als irrelevant abzutun. Das sind sie nicht. Vielmehr sind sie fest in unserer Gesellschaft verankert und ihre Ideologie wird in Parteien, zahlreichen Vereinen und Bewegungen im rechten Spektrum weitergetragen und reproduziert. Sie sind Teil der reaktionären, rechten Massenmobilisierung und des damit einhergehenden antifeministischen Rollbacks.

Also kommt mit uns auf die Straße, seid laut, seid obszön, und diabolisch. Wir haben keinen Bock auf christlich-reaktionäre Kackscheiße. Es ist Zeit den Fundis in München zu zeigen, was wir von ihnen halten. Nämlich nix.

Gegen das Patriarchat und den sexistischen Normalzustand, für Selbstbestimmung.

Treffpunkt ist um 9:30 Uhr am Eine Welt Haus in München.
*LGBTQI steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, Intersexual