Nachbericht: „Vigil“ in München am 24.6.

Auch gestern, am 24.06.2017, blieben uns die Abtreibungsgegner*innen in
München nicht erspart. Insgesamt 18 Personen zogen im Rahmen eines
Vigils durch München und beteten zu Gott, sie*er möge doch bitte
Abtreibungen verhindern und sie selbst vor dem „Feuer der Hölle“ bewahren.
Angemeldet worden war das Vigil vom Verein „Helfer für Gottes kostbare
Kinder Deutschland e.V.“, als Versammlungsleiter trat wieder einmal
W. Hering auf, der eine Benediktusmedaille [1] um den Hals trug,
wohl um sich vor teuflischen Gegendemonstrant*innen zu schützen.

Zwischenkundgebung der Fundis in der Bayerstraße.

Nachdem die Fundamentalist*innen vor der pro familia Beratungsstelle
angekommen waren, um dort durch Gebete und Lieder gegen Abtreibungen zu
protestieren, entluden sie auch ihr Marienbild aus dem Auto und stellten
es gut sichtbar gegenüber von pro familia auf. Da standen sie nun, 18
Fundamentalist*innen, die beteten, sangen, zwischendurch auf die Knie
fielen und von Hering dirigiert wurden. Mehrfach begab sich
Hering zu dem in der Nähe geparkten Auto, nahm einer darin
sitzenden Frau* ihr Neugeborenes aus der Hand und präsentierte es auf
der Demonstration. Ein abscheulicher Akt der Instrumentalisierung!
Immerhin, auf der gegenüberliegenden Straßenseite, also direkt vor pro
familia verstnd mensch von den Fundamentalist*innen kein Wort. Mit Musik
von „Respect my Fist“, Sokee, den „Petrol Girls“ und weiteren gelang es
den Gegendemonstrant*innen trotz recht geringer Zahl, die Fundis zu
übertönen.

Fundis terrorisieren mal wieder pro familia.

Als sich die Fundamentalist*innen schließlich wieder auf den Weg
machten, um vor der LMU ihre Abschlusskundgebung zu halten, begleiteten
die Gegendemonstrant*innen den Protest weiter mit lauter Musik. Weil
sich die anwesenden Polizist*innen nicht in der Lage sahen, diese
Störung alleine zu unterbinden, riefen sie Verstärkung, mit deren Hilfe
eine Gegendemonstrantin*, die einen Lautsprecher mit sich trug, am
Geschwister-Scholl-Platz gestoppt wurde. Als umstehende
Gegendemonstrant*innen begannen, diesen Polizeieinsatz fotografisch zu
dokumentieren, wurden die Personalien dieser Demonstrant*innen
aufgenommen. Außerdem beschlagnahmte die Polizei ein Handy!
Dass die Münchner Polizei mit derartigen Mitteln versucht, den Protest gegen die Abtreibungsgegner*innen einzuschüchtern ist nichts neues. In der
Vergangenheit wurden bereits zahlreiche Gegendemonstrant*innen in
Gewahrsam genommen, um diese einzuschüchtern.

Unterdessen beendeten die Fundis ihren Protest und begannen die Schilder
und vor allem die Maria-Ikone, die sie mit sich trugen, zurück in das
Auto zu verfrachten. Die Abtreibungsgegner*innen verteilten zudem Flyer für den „Tausend Kreuze Marsch“ in Salzburg am 25. Juli 2017. Dann verstreuten sich die Fundis in alle Himmelsrichtungen.

 

[1] Die Benediktusmedaille soll den*die Träger*in vor Alltagsgefahren,
Blitz, Hagelschlag, Vergiftung, Fieber, Pest, Steinleiden, Fallsucht,
bösen Geistern, Hexen, dem Teufel, sowie bei Geburten und in der
Sterbestunde schützen (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Benediktussegen).

„Er lutscht am Daumen und pieselt ins Fruchtwasser“

Mit diesem Satz drückten uns am vergangenen Wochenende so genannte „Lebensschützer*innen“ eine skurrile Plastikpuppe in die Hand. Die „Aktion Lebensrecht für Alle“ (AlfA) war mal wieder in antifeministischer Mission unterwegs.

Aber von Anfang an: Am 17. Juni baute, der recht umtriebige, Verein „AlfA“ einen mit Baby-Stramplern dekorierten Stand in der gut besuchten Münchner Fußgängerzone auf. Die rund sechs Frauen*, darunter auch die 1. Vorsitzende des Vereins Antonia Egger, verteilten im Umfeld Plastikembryos und Flyer.

Am 17. Juni 2017 baut die AlfA einen Infostand in der Fußgängerzone auf. Sie verteilen Flyer und Plastikembryos.

Die verteilten Flyer und Broschüren zeigen, wie AlfA und andere „Lebensschützer*innen“ Fakten verdrehen und mit perfiden Psychotricks arbeiten, um betroffene Frauen* unter Druck setzen. So ist die Rede von „jährlich 150.000 Tötungen durch Abtreibungen“ oder von Zellhaufen, „die Eltern später Anna oder Lukas nennen werden“. Abtreibungsgegner*innen haben offensichtlich ein Faible für Symbolik. Ahnung von Statistik haben sie jedoch nicht. Das Ergebnis ist dann eine Mischung symbolisch aufgeladener Fantasiezahlen, mit denen sie versuchen, Menschen zu manipulieren. Wen es interessiert, die offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes werden hier veröffentlicht. (Spoiler: die Zahl der Abtreibungen in Deutschland sind entgegen der Propaganda der Abtreibungsgegner*innen stets niedriger und darüber hinaus seit Jahren rückläufig.) Man kann übrigens davon ausgehen, dass die Zahlen aufgrund der Meldepflicht für Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, sehr belastbar sind.

Emotionalisierend und pathetisch verläuft der andere Teil der Propaganda. Schaut man sich die Flyer der „Lebensschützer*innen“ an, so schauen Dich stets kugelrunde Babyaugen an und statt die korrekten Bezeichnungen Fötus, Embryo oder Zygote zu nutzen, schreiben sie von „Babies“ und „Kindern“. Die – für AlfA und Co – logische Folge: eine Abtreibung ist Kindstötung und Mord. Rechtlich ist das aber eben vollkommener Unsinn. Der Tatbestand „Totschlag“ oder „Mord“ ist auf „Ungeborene“ nicht anwendbar. Das Bürgerliche Gesetzbuch zu konsultieren, wäre in dem Zusammenhang hilfreich, denn dort steht: „die Rechtsfähigkeit des Menschen beginnt mit der Vollendung der Geburt“.

Der Gipfel der Geschmacklosigkeit ist aber das Verteilen von Plastikembryos, die den Fötus in der 12. Schwangerschaftswoche darstellen sollen. Die Plastikpuppen sind deutlich größer als menschliche Föten, die zu diesem Zeitpunkt gerade einmal fünf Zentimeter groß sind. Aber auch hier bedienen sich die „Lebensschützer*innen“ eben emotionalisierender Symbolik die ausdrücken soll: hier wird Leben getötet. Doch ein Verbot von Abtreibungen – und in Deutschland ist Abtreibung noch illegal – löst das Problem nicht. Im Gegenteil: Frauen*, die ungewollt schwanger werden, drängt ein Verbot in die Illegalität. Das Risiko an den Folgewirkungen unprofessioneller Abtreibungen zu leiden oder zu sterben, ist ungleich größer.

Plastikpuppe, die Abtreibungsgegner*innen an Passant*innen verteilten.

Nach außen geben sich Gruppierungen wie „AlfA“ harmlos, friedlich und besorgt. Doch werden sie mit feministischen Positionen konfrontiert, bröckelt die Fassade. Menschen und Organisationen, die Frauen* beraten und ihnen versuchen alle Optionen darzulegen werden mit Faschisten verglichen, die in „Tötungszentren“ Tag für Tag zahllose Kinder umbringen.

Darum bleiben wir dabei:

  • Als Feminist*innen kann unsere Perspektive keine andere als die der ungewollt Schwangeren sein.
  • Es gibt keine Alternative zum Kampf gegen AlfA und Co., die versuchen betroffene Frauen psychisch unter Druck zu setzen und erkämpfte Frauen*rechte rückgängig zu machen
  • Der §218 ist abzuschaffen, denn wenn wir das Leben ungewollt schwangerer Menschen schützen wollen, muss Abtreibung legal sein.

#prochoice
#nofundis
#wegmit218

Schweigemarsch stoppen … Soligrüße nach Annaberg-Buchholz

Wir teilen hier den Kurzaufruf des Bündnisses „pro choice Sachsen“ zum Gegenprotest morgen in Annaberg-Buchholz. Mehr Informationen und Details sowie Möglichkeiten die Menschen dort auch finanziell zu unterstützen, gibt es auf der Bündnisseite.

„Jedes Jahr versammeln sich Gegener_innen von Abtreibungen. Auch in Annaberg-Buchholz wird seit 2010 zu sogenannten “Schweigemärschen” mobilisiert. Diese richten sich gegen das Selbstbestimmungsrecht aller Menschen – insbesondere derer, die schwanger werden können. Die Veranstaltung wird aktuell vom Verein “Lebensrecht Sachsen” organisiert. Anmelder Thomas Schneider ist nicht nur Gründer und Mitglied evangelikaler Gruppen sondern auch gut vernetzt in nationalistisch-rassistischen Kreisen. Die “Schweigemärsche” im sächsischen Erzgebirge sind ein Sammelbecken für Personen und Organisationen, die Nationalismus, Sexismus und feindliche Einstellungen gegenüber homosexuellen Menschen sowie Trans*personen und intergeschlechtlichen Menschen verbreiten und Abtreibungen um jeden Preis verhindern wollen.

Aufgrund restriktiver Gesetze haben jährlich 22 Millionen ungewollt Schwangere weltweit keinen Zugang zu einem sicheren, legalen Schwangerschaftsabbruch. Glücklicherweise steigen die Zugänge zu medikamentösen Abtreibungsmethoden. Trotzdem gibt es immer noch viele Personen die zu gefährlichen Selbst- oder Fremdabbrüchen, wie dem Einführen von Gegenständen in den Uterus, oder kostspieligen Reisen in dahingehend liberalere Länder gezwungen sind. Jedes Jahr sterben ca. 47.000 von ihnen an den Folgen. Unzählige weitere leiden unter Komplikationen oder juristischer Verfolgung.

Daher sind Abtreibungsgegener_innen nicht für das Leben. Denn wer das Leben ungewollt schwangerer Menschen schützen will, muss Abtreibungen legalisieren! Diese Legalisierung ist auch in Deutschland nicht erreicht. Im Gegenteil – noch immer stellt der §218 StGB Abtreibungen generell unter Strafe.

Wir wollen, dass sich das endlich ändert! Deshalb fordern wir:
Leben schützen! Abtreibung legalisieren! Weg mit §218!“

Annaberg-Buchholz

Fundis marschieren wieder

Wie vermutet, wollen die selbsternannten „Lebensschützer*innen“ rund um W. Hering (Euro Pro Life e.V.) auch diesen Monat ihren Gebetsmarsch durch die Münchner Innenstadt veranstalten und zwar am Samstag, den 24.6.

Auftakt ist um 9 Uhr am St. Pauls Platz, wo die Fundis eine Messe besuchen. Von dort aus geht es dann erfahrungsgemäß durch die Innenstadt (voraussichtlich Schwanthalerstraße, Sonnenstraße, am Stachus vorbei Richtung Türkenstraße zu pro familia (Türkenstraße 103) wo die Gruppe in der Regel eine Zwischenkundgebung abhält.

FLTI? LGBTQ? Patriarchat? Hä?

Ihr wollt wissen, wovon da draußen geschrieben und gesprochen wird auch ohne ein Soziologie-Wörterbuch in die Hand nehmen zu müssen?

Glauben wir … darum haben wir ein Glossar erstellt, in dem Ihr einige Begriffe und Abkürzungen nachschauen könnt.

Nachbericht: „Vigilien“ in München am 25. April 2017

Auch am Dienstag den 25. April zog eine Gruppe christlich fundamentalistischer Lebensschützer*innen mit einem sogenannten „Vigil“ durch die Münchner Innenstadt. Außer ein wenig Verkehrschaos und verwirrt dreinblickender Passant*innen geschah nicht viel.

Den ganzen Beitrag inklusive Bilderstrecke findet Ihr hier: Reflektierter Bengel 

 

„Gender-Kongress“ in Nürnberg

Zum zweiten Mal nach November 2015 will die maskulistische, antifeministische Szene einen sog. „Deutschen Gender-Kongress“ in Nürnberg durchführen (9.00 Uhr bis 17.00 Uhr, Messezentrum NCC Ost, Karl-Schönleben-Straße 1).

Mit einer wissenschaftlichen Debatte  zu Gendertheorien oder politischer Diskussion antipatriarchaler Gleichstellungspolitiken hat die Veranstaltung – wie bereits 2015 – augenscheinlich überhaupt nichts zu tun. In der aktuellen Ankündigung heißt es: „Wenn Frauen und Mädchen Opfer sind, ist Leidenschaft und politisches Engagement in unserer Gesellschaft reichlich vorhanden. Ihren Bedürfnissen wird in den Medien und der Politik hohe Aufmerksamkeit geschenkt. Geht es jedoch um die Bedürfnisse und dem Leiden von Jungen, Männern und Vätern, stößt man auf eine Blockade. Diese Themen werden ausgeblendet – es sei denn, es geht darum, ihnen etwas vorzuwerfen oder sie herabzusetzen.“ (Fehler im Original). Die Veranstalter verhöhnen die Kampagne des Bundesfamilienministeriums gegen häusliche Gewalt („Was passiert, wenn ich ihn anzeige?“) und schreiben: „Was soll schon passieren? Du kriegst die Kinder, die Wohnung und ihn bringst du für 5 Jahre unschuldig in den Knast“.

Die sog. „maskulistische“ Szene bekennt sich in Zusammenhang mit dem Treffen in Nürnberg aber auch zu homophoben Aktivitäten. So heißt es: „Der Kongress basiert inhaltlich auf der Arbeit folgender Verbände, Vereine und Initiativen bzw. deren Mitglieder“ und dann folgt nicht nur das Who is Who der Maskulisten von „Manndat“, „Gender Wahn stoppen!“ bis „WikiMannia“ mit ihren Symbolen und Bannern, sondern auch das Logo der homophoben „Demo für Alle“. Als Veranstalter wird die „Trade 5 GmbH Event & Kongress“ (München) benannt, „in Zusammenarbeit mit Väter-Netzwerk e. V.“ (Stein bei Nürnberg). Im Impressum der Webseite zum Kongress firmieren „Trade 5“-Geschäftsführer Rainer Winter sowie Frank Mehding als „inhaltlich Verantwortliche gemäß §6 MDStV“. Im Anschluss an den sog. „Gender-Kongress“ (17.30 Uhr bis ca. 22.00 Uhr) soll am selben Ort ein „Bundesverband ‚Jungen, Männer & Väter e.V., Berlin’“ gegründet und der „Männerrechts“-Film „The Red Pill“ gezeigt werden.

Quelle: a.id.a. Archiv 

Hintergründe zu unseren Gegner*innen

Ab sofort findet Ihr unter „Gegner*innen“ eine Übersicht zu Gruppierungen, Parteien und Personen, die antifeministische und homefeindliche Positionen vertreten.

An dieser Übersicht wird kontinuierlich weitergearbeitet und wir erheben selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Über Hinweise und Tipps freuen wir uns jederzeit. Schreibt uns einfach eine kurze Mail an: asa_m@riseup.net.

Liebe Grüße,

Euer asa_m-Team 🙂

„Lebensschützer*innen“ vergleichen Abtreibung mit Massentötung in der NS-Zeit

„Warum begeht ihr nicht einfach Selbstmord?“ Das fragte ein besonders aufdringlicher Teilnehmer der Demonstration gegen Abtreibung in Freiham die anwesenden Gegendemonstrant*innen.

Aufgerufen zur Mahnwache unter dem Motto „Zukunft statt Abtreibung“ hatten verschiedene Gruppen, darunter vor allem die „Aktion Lebensrecht für Alle“ (ALfA) und die CDU/CSU-nahe Organisation „Christdemokraten für das Leben“ (CDL), sowie die „Arbeitsgemeinschaft Lebensrecht München“ (ALM). Erschienen waren rund 70 Abtreibungsgegner*innen, die an der von Christiane Lambrecht (Landesvorsitzende CDL Bayern) moderierten Veranstaltung teilnahmen.

Zentrales Kundgebungsmittel der Abtreibungsgegner*innen war eine Wäscheleine mit Socken. Am Ende der Veranstaltung nahmen sie von dieser neun von zehn Sockenpaaren ab, um die Zahl der Abtreibungen von Kindern, bei denen durch Pränataldiagnostik eine Erkrankung am sogenannten Down-Syndrom (Trisomie 21) festgestellt wurde, zu verbildlichen. Die Abtreibungen von Kindern, bei denen ein Handicap festgestellt wurde, verglichen die Abtreibungsgegner*innen kurzerhand mit der in der NS-Zeit als „Euthanasie“ bezeichneten Massentötung von Menschen mit Behinderung. Dieser relativierende Vergleich von Christiane Lambrecht ist einfach nur widerlich.

Neben Christiane Lambrecht sprachen unter anderem auch die Vorsitzende des Regionalverbands München der ALfA, Antonia Egger, sowie ein Mitglied der CSU, das von Christiane Lambrecht als „Herr Stefan“ vorgestellt wurde. „Herr Stefan“ kritisierte den Schatzmeister der CSU München und gleichzeitigen Vermieter der Klinik von Friedrich Stapf, Hans Hammer, der es erst möglich gemacht habe, dass in Freiham eine Abtreibungsklinik entstehen konnte.

Insgesamt versuchten die Redner*innen der Demonstration immer wieder, Menschen mit Handicap für ihre Ziele zu instrumentalisieren. So auch Antonia Egger. Als Vorsitzende des Regionalverbands München der ALfA hätte Egger sicherlich mehr zum Thema Abtreibungen beizutragen gewusst, als von ihrem Handicap, einer Querschnittslähmung, zu berichten, doch von Christiane Lambrecht als eine potenzielle Betroffene von Abtreibungen vorgestellt, blieb ihr kaum etwas anderes übrig, als von ihrer „Lebenslust“ zu berichten.

Geschichtsrelativierende Aussagen und Diskriminierungen von Menschen mit Handicaps blieben jedoch nicht die einzigen fragwürdigen Positionen dieser Mahnwache. Ziel der selbsternannten „Lebensschützer*innen“ ist schließlich ein generelles Abtreibungsverbot, denn für sie, das schreibt beispielsweise die „Jugend für das Leben“ auf ihrer Webseite, gilt bereits die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle und alle folgenden Stadien, als menschliches Leben. In der Argumentation der Abtreibungsgegner*innen spielt der Wille der Frauen* dabei keine Rolle. Vielmehr maßen sich die Abtreibungsgegner*innen an, Frauen* vor einem Fehler, den diese lebenslang bereuen würden, zu bewahren. Und auch rassistische Positionen werden am Rande der Demo immer wieder laut. So wünscht einer der Teilnehmer den Gegendemonstrant*innen viel Spaß mit der „Scharia“ und reproduziert damit ein Bild der extremen Rechten. Verwunderlich ist das kaum, schließlich handelt es sich insbesondere bei der CDL um eine CSU-nahe Organisation und auch die ALfA war in der Vergangenheit immer wieder wegen Sympathien zu extrem rechten Gruppierungen in Kritik geraten [1].

[1] Vgl. bspw. http://www.sueddeutsche.de/muenchen/designierter-gesundheitsreferent-sympathie-fuer-radikale-abtreibungsgegner-1.2323625

Für eine SELBSTBESTIMMTE Zukunft

Für den 24. März ruft die „Aktion Lebensrecht für Alle e.V.“ (AlfA) zu einer Mahnwache unter dem Motto „Zukunft statt Abtreibung“ vor dem Medicare-Zentrum in München Freiham auf. Doch mit „Zukunft“ hat das, was die so genannten „Lebensschützer*innen“ wollen, nicht im Geringsten etwas zu tun!

Der deutsche Staat lässt sich das Recht darüber zu bestimmen, was mit dem Körper der Frau* zu passieren hat, bis heute nicht nehmen. So regelt der Paragraf 218, dass ein Schwangerschaftsabbruch mit „Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft“ werden soll. Dass man als Frau*, die sich letztendlich doch für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidet, nicht gleich in den Knast wandert, haben wir dem Zusatzparagraphen 218a zu verdanken, der seinen Vorgänger zwar abmildert, aber keinesfalls vergessen lässt. Paragraf 218a besagt, dass Frauen*, die sich mindestens drei Tage vor der Abtreibung einer Beratung unterzogen haben und versichern können, dass der Zeitpunkt der Empfängnis nicht länger her ist als 12 Wochen, legal den Abbruch vornehmen lassen können. So weit so ungut. Die Selbstbestimmung der Frau* ist und bleibt in Deutschland in einem lausigen Zusatzartikel verpackt.

„Lebensschützer*innen bspw. der AlfA würden zu gern noch einen Schritt weiter zurück in die Vergangenheit gehen und die Situation von vor 1976 wieder herstellen, wo Abtreibungen schlicht verboten waren. Ihr „Argument“: Die befruchtete Eizelle, faktisch ein Zellhaufen, dem aber von den „Lebensschützer*innen“ schon allerlei Eigenschaften zugesprochen werden, ist bereits ein Kind, weswegen ein Schwangerschaftsabbruch eine „vorgeburtliche Kindstötung“ darstelle. Der Paragraf 218 gehört in ihren Augen wieder abgeschafft, der Schwangerschaftsabbruch verboten und bestraft. Die Folgen wären, dass wie früher Quacksalber an Schwangeren herumpfuschen, Frauen* sich lebensbedrohliche Infektionen zuziehen oder bei den Eingriffen verbluten.

Strafrechtlich verfolgt wird Abtreibung also nicht, als moralisch verwerflich gilt sie in vielen Gesellschaftsschichten allerdings noch immer. Und genau in diese Kerbe schlagen die „Lebensschützer*innen“. Ihre „Aufklärungsarbeit“ fokussiert sich unter anderem darauf, Frauen* vor Abtreibungskliniken wie der in Freiham aufzulauern, ihnen z. B. Embryonen aus Plastik in die Hand zu drücken, um Schuldgefühle zu wecken oder sie – wenn nötig auch mit Gewalt – am Betreten von Abtreibungskliniken zu hindern. Diese systematische psychische Erpressung muss sofort aufhören! Darum rufen wir dazu auf, die Mahnwache in Freiham zu verhindern.

Selbstbestimmung muss es geben
Wir kämpfen nun schon seit Jahren für eine Gesellschaft, in der alle frei über ihren Körper entscheiden können – unabhängig von religiösen, moralischen oder staatlichen Einflüssen. Doch diese Art der Gesellschaft ist hinsichtlich des antifeministischen Rollbacks wieder einmal massiv bedroht.

2017 und 2018 stehen Wahlen an. Rechte Parteien wie CSU oder AfD machen sexistische und homofeindliche Inhalte wie selbstverständlich zum Inhalt ihrer Politik und fischen so bewusst am braunblauen Rand. Während die AfD mit ihrer Familienpolitik die Zeit gern um 50+ Jahre zurückdrehen und Frauen* ohne Mitspracherecht an den Herd binden würde, überlässt CSU Kultusminister Spänle die Gestaltung von Bildungsplänen reaktionären Kräften, die allein bei der Erwähnung des Begriffes „Feminismus“ anfangen, „GENDER-WAHN“ zu kreischen.

Mit „Zukunft“ hat das alles mitnichten etwas zu tun. Und die AlfA? Die planscht mit ihren Ideologien munter mit im Sammelbecken reaktionärer, nationalistischer und völkischer Positionen und politischer Kräfte. Sie schwafeln vom „Volkstod im Mutterleib“ von „Kindsmord“ und „Massenvernichtung“… bei diesem völkischen Geblubber ist es nicht überraschend, dass auch Neonazis bei ihren Veranstaltungen munter mitmischen.

Die feministischen Kämpfe sind noch lange nicht gewonnen. Reaktionäre Ideologien müssen immer und überall bekämpft werden und wenn sie wie am 24. März so offen zu Tage treten, dann erst recht!

Antisexistische Aktion München 

Treffpunkt ist um 15:30 Uhr vor dem Medicare-Zentrum (Hans-Stützle-Straße, am S-Bahnhof) in Freiham.