„Er lutscht am Daumen und pieselt ins Fruchtwasser“

Mit diesem Satz drückten uns am vergangenen Wochenende so genannte „Lebensschützer*innen“ eine skurrile Plastikpuppe in die Hand. Die „Aktion Lebensrecht für Alle“ (AlfA) war mal wieder in antifeministischer Mission unterwegs.

Aber von Anfang an: Am 17. Juni baute, der recht umtriebige, Verein „AlfA“ einen mit Baby-Stramplern dekorierten Stand in der gut besuchten Münchner Fußgängerzone auf. Die rund sechs Frauen*, darunter auch die 1. Vorsitzende des Vereins Antonia Egger, verteilten im Umfeld Plastikembryos und Flyer.

Am 17. Juni 2017 baut die AlfA einen Infostand in der Fußgängerzone auf. Sie verteilen Flyer und Plastikembryos.

Die verteilten Flyer und Broschüren zeigen, wie AlfA und andere „Lebensschützer*innen“ Fakten verdrehen und mit perfiden Psychotricks arbeiten, um betroffene Frauen* unter Druck setzen. So ist die Rede von „jährlich 150.000 Tötungen durch Abtreibungen“ oder von Zellhaufen, „die Eltern später Anna oder Lukas nennen werden“. Abtreibungsgegner*innen haben offensichtlich ein Faible für Symbolik. Ahnung von Statistik haben sie jedoch nicht. Das Ergebnis ist dann eine Mischung symbolisch aufgeladener Fantasiezahlen, mit denen sie versuchen, Menschen zu manipulieren. Wen es interessiert, die offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes werden hier veröffentlicht. (Spoiler: die Zahl der Abtreibungen in Deutschland sind entgegen der Propaganda der Abtreibungsgegner*innen stets niedriger und darüber hinaus seit Jahren rückläufig.) Man kann übrigens davon ausgehen, dass die Zahlen aufgrund der Meldepflicht für Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, sehr belastbar sind.

Emotionalisierend und pathetisch verläuft der andere Teil der Propaganda. Schaut man sich die Flyer der „Lebensschützer*innen“ an, so schauen Dich stets kugelrunde Babyaugen an und statt die korrekten Bezeichnungen Fötus, Embryo oder Zygote zu nutzen, schreiben sie von „Babies“ und „Kindern“. Die – für AlfA und Co – logische Folge: eine Abtreibung ist Kindstötung und Mord. Rechtlich ist das aber eben vollkommener Unsinn. Der Tatbestand „Totschlag“ oder „Mord“ ist auf „Ungeborene“ nicht anwendbar. Das Bürgerliche Gesetzbuch zu konsultieren, wäre in dem Zusammenhang hilfreich, denn dort steht: „die Rechtsfähigkeit des Menschen beginnt mit der Vollendung der Geburt“.

Der Gipfel der Geschmacklosigkeit ist aber das Verteilen von Plastikembryos, die den Fötus in der 12. Schwangerschaftswoche darstellen sollen. Die Plastikpuppen sind deutlich größer als menschliche Föten, die zu diesem Zeitpunkt gerade einmal fünf Zentimeter groß sind. Aber auch hier bedienen sich die „Lebensschützer*innen“ eben emotionalisierender Symbolik die ausdrücken soll: hier wird Leben getötet. Doch ein Verbot von Abtreibungen – und in Deutschland ist Abtreibung noch illegal – löst das Problem nicht. Im Gegenteil: Frauen*, die ungewollt schwanger werden, drängt ein Verbot in die Illegalität. Das Risiko an den Folgewirkungen unprofessioneller Abtreibungen zu leiden oder zu sterben, ist ungleich größer.

Plastikpuppe, die Abtreibungsgegner*innen an Passant*innen verteilten.

Nach außen geben sich Gruppierungen wie „AlfA“ harmlos, friedlich und besorgt. Doch werden sie mit feministischen Positionen konfrontiert, bröckelt die Fassade. Menschen und Organisationen, die Frauen* beraten und ihnen versuchen alle Optionen darzulegen werden mit Faschisten verglichen, die in „Tötungszentren“ Tag für Tag zahllose Kinder umbringen.

Darum bleiben wir dabei:

  • Als Feminist*innen kann unsere Perspektive keine andere als die der ungewollt Schwangeren sein.
  • Es gibt keine Alternative zum Kampf gegen AlfA und Co., die versuchen betroffene Frauen psychisch unter Druck zu setzen und erkämpfte Frauen*rechte rückgängig zu machen
  • Der §218 ist abzuschaffen, denn wenn wir das Leben ungewollt schwangerer Menschen schützen wollen, muss Abtreibung legal sein.

#prochoice
#nofundis
#wegmit218

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