Achtung: Widerliche Flyer der Deutschen Zentrumspartei im Umlauf

Nachdem in der vergangenen Zeit mehrfach widerwärtige Flyer der „Deutschen Zentrumspartei“ in München aufgetaucht sind, möchten wir hier darüber informieren und in diesem Zuge um Eure Mithilfe bitten.

An mehreren Orten, unter anderem im Umfeld des medicare-Zentrums in München Freiham, werden derzeit Flyer einer angeblich neu eröffneten „Pizzeria Centro“ verteilt. Der Flyer bewirbt auf den ersten Blick einen „Gutschein für eine Gratis-Pizza“, die dann in „höchstens 30 Minuten geliefert“ werden soll. Beim Aufschlagen des Flyers vergeht den Empfänger*innen jedoch gänzlich der Appetit. Wir haben von Seiten radikaler Abtreibungsgegner*innen schon viel gesehen. Dabei war auch vieles, das an der Grenze des Geschmacklosen ist. Die Flyer, die derzeit verteilt werden, überschreiten diese Grenze derart, dass wir, abgesehen von der noch harmlosen Außenseite, weder die Flyer noch die Homepage hier 1:1 weiterverbreiten werden.

Die Vorderseite des Flyers

Schlägt man den Flyer auf, prangt dort in prominenten Lettern: „Stapf muss weg“ und „Deutschlands größte Abtreibungsklinik in München-Freiham“.

Abgedruckt sind außerdem Bilder des medicare-Zentrums in München Freiham, des Eigentümers/ Vermieters Hans Hammer sowie von Dr. Friedrich Stapf, dem Leiter der Stapf-Klinik, der sich seit Jahren mit radikalen Abtreibungsgegner*innen herumschlagen muss. Hetze gegen ihn findet sich online auf einschlägigen Seiten wie „WikiMANNia“, „Babykaust“ und Co., aber immer wieder werden er, seine Patient*innen und Unbeteiligte im Umkreis seiner Klinik, auch von so genannten „Lebensschützer*innen“ belästigt und terrorisiert.

Friedrich Stapf wird im Flyer mehrfach verleumdet: ihm wird „Kindstötung bzw. Kinderschlachtung in 100.000 Fällen“ vorgeworfen, seine Klinik wird als „Kinderschlachthof“ bezeichnet. Zwei abgebildete Pizzen, die „Pizza Mafioso“ und die „Pizza Diabolo“, und die entsprechenden Bildunterschriften greifen diese widerliche Hetze auf. Mit Photoshop wurden blutige Föten auf die Pizzen montiert, die Bildunterschriften erinnern an die DVD-Beschreibung eines Horrorfilms: „Leckere Salami vom Kind“ bzw. „saftiger Schinken vom Kind“ gehören dabei noch zu den harmloseren Inhalten.

Ob Strafanzeige gegen die Verfasser*innen der Flyer gestellt wird, ist uns zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt.

Wer steckt dahinter? 

Der Flyer scheint Teil einer umfassenderen Kampagne mit dem Titel „it’s a child not a choice“ der Deutschen Zentrumspartei zu sein. Auf ihrer Homepage  versucht sich „Deutschlands älteste Partei“ als „einzige Pro Life Partei Deutschlands“ zu profilieren.

Bild der Kampagne „It’s a child not a choice“ der Zentrumspartei

In Bayern selbst hat die Zentrumspartei (noch) keinen Landesverband. Für die Kampagne kamen Thomas Ferber und Mitstreiter*innen vom Landesverband Rheinland-Pfalz nach München. Für den Inhalt der Flyer zeichnet sich wiederum Gerhard Woitzig, Bundesvorsitzender der Deutschen Zentrumspartei, Straberger Weg 12, 41542 Dormagen aus Nordrhein-Westfalen verantwortlich.

Ferber taucht zudem in zwei YouTube-Videos auf, in denen zu sehen ist, wie er Dr. Stapf vor seiner Klinik verfolgt und massiv belästigt. Zudem werden in dem Video mit dem Titel „Deutschlands größte Abtreibungsklinik“ vermeintliche Passant*innen und ein Priester vor dem Zentrum in Freiham interviewt – alle drei entlarven sich mit miesen Schauspielleistungen als Beteiligte der Aktion. In einem anderen YouTube Video mit dem Titel „Das Massengrab von Wiesbaden“  gibt sich Ferber investigativ und verleumdet unter anderem die Pathologin Frau Prof. Dr. A. Fisseler–Eckhoff aus Wiesbaden.

Die Aktion der Zentrumspartei reiht sich ein in eine ganze Folge antifeministischer Aktionen radikaler Abtreibungsgegner*innen in München. Neben den regelmäßig stattfindenden Vigilien der christlichen Fundamentalist*innen von Euro Pro Life e. V. , organisiert die „Aktion Lebensrecht für Alle“ (AlfA) und ihre Jugendorganisation „Jugend für das Leben“ (JfdL) und die „Christdemokraten für das Leben“ (CDL) diesen Herbst Mahnwachen, Kundgebungen und Konferenzen. Aktuelle Termine findet Ihr auf der Homepage des a.i.d.a. Archiv.

Wo wir Eure Hilfe benötigen

Wenn Ihr selbst einen solchen Flyer in Eurem Briefkasten findet, schickt ihn bitte an eine der folgenden Adressen bzw. macht ein Foto, notiert Fundort und Datum und schickt es via E-Mail an:

a.i.d.a. Archiv
E-Mail: info@aida-archiv.de

Fachstelle Demokratie der Landeshauptstadt München
E-Mail: fgr@muenchen.de

Fachinformationsstelle Rechtsextremismus in München (firm)
Feierwerk e.V.
firm
Hansastraße 39 – 41
81373 München
E-Mail: firm@feierwerk.de

Ansonsten: Achtet auf Aufrufe hier oder von anderen feministischen Gruppen in München und geht mit uns und ihnen auf die Straße, unterhaltet Euch mit Betroffenen und sprecht über das Thema Abtreibung. Denn Fälle wie der von Kristina Hänel (u.a. berichtet die taz), einer Ärztin aus Gießen, die gerade wegen des Verdachts des Verstoßes gegen Paragraf 219a (StGB) vor Gericht steht oder der jahrelange Terror radikaler Abtreibungsgegner*innen rund um die Stapf-Klinik zeigen, auf welch wackligen Beinen das Recht auf Schwangerschaftsabbruch steht und dass es derzeit wieder von vielen Seiten angegriffen wird.

Herzlichen Dank für Eure Mithilfe!

Solidarische Grüße,
asa_m

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