Offene Fragen nach Protest gegen christliche Fundamentalist*innen in München 

Rund 40 christliche Fundamentalist*innen von „Helfer für Gottes kostbare Kinder e. V.“ machten sich am vergangenen Samstag wieder einmal auf den Weg, um vor der Beratungsstelle von pro familia in München ihr „Vigil“ abzuhalten. 15 Aktivist*innen stellten sich ihnen mit Transparenten und Parolen entgegen und protestierten gegen das antifeministische Schauspiel.

Solidarische Nachbarschaft – ruppige Cops
Auftakt für das monatlich stattfindende „Vigil“ war wie immer eine Messe in der Kirche St. Paul. Anschließend ging es mitsamt Marienikone, Schildern, Gesängen und Polizeibegleitung durch die Münchner Innenstadt in die Türkenstraße, wo die Fundis vor der Beratungsstelle von pro familia rund eine Stunde inbrünstig beteten und sangen. Erwartet wurden sie dort von rund 15 Aktivist*innen, die mit Transparenten, aufgeblasenen Kondomen und Parolen gegen die widerwärtige Show der Abtreibungsgegner*innen um Wolfgang Hering protestierten. Abgesehen von einigen Rangeleien mit den Cops, gab es während der Proteste keine größeren Zwischenfälle der negativen Art. Absolut positiv waren die solidarischen Reaktionen von Nachbar*innen und Passant*innen. <3

Von pro familia aus liefen die Fundis zur Abschlusskundgebung auf dem Geschwister-Scholl-Platz an der Ludwig-Maximilians-Universität.

Deutlich mehr Fundis als sonst

Nehmen sonst maximal 20 Fundis an den Märschen teil, tauchten sie an diesem Wochenende mit mehr als 40 Personen auf. Wie kam es zu diesem sprunghaften Anstieg?

Ein paar Erklärungsversuche:

Zum einen war das „Vigil“ am Samstag wohl bereits der 250. Gebetsmarsch von Euro Pro Life e. V. bzw. „Helfer für Gottes kostbare Kinder e. V.“ (ob in München oder bundesweit können wir leider nicht sagen). (1) Vielleicht mobilisierte dieses zweifelhafte Jubiläum mehr Fundis als üblich.

Weiterhin – vielleicht zur „Feier“ des Tages – gab es einen „Special Guest“ inklusive, zumindest teilweiser, Liveübertragung auf Radio Horeb (1), einem Medium deutschsprachiger „Lebensschützer*innen“. Aus dem Bistum Fulda war Domkapitular Prälat Peter-Martin Schmidt gekommen, der dort bischöflich Beauftragter für die aus der Kirche Ausgetretenen ist. Nachdem Wolfgang Hering einige einleitende Worte gesprochen hatte, hielt Schmidt – vermutlich in der Paulskirche – eine kurze Predigt und taufte anschließend „den kleinen Wolfgang“ (womöglich handelt es sich bei diesem Wolfgang um das in diesem Bericht erwähnte Kind). In seiner Predigt bedient sich Schmidt 1:1 der Rhetorik radikaler Abtreibungsgegner*innen: Unter anderem spricht er davon, dass das Recht auf Leben ein Menschenrecht sei. Dieses Recht gelte auch für das ungeborene Leben, denn nur dann könnten Menschen über Wohnung oder Arbeitsstelle entscheiden und an politischen Wahlen teilnehmen. Wer diese Menschenrechte schützen wolle, müsse auch das der ungeborenen Kinder schützen. Wer dies hingegen nicht respektiere, der träte auch die eigenen Menschenrechte mit Füßen. (2) Der Fuldaer war auch beim anschließenden Gebetsmarsch dabei.

Es bleiben also einige offene Fragen

  • Warum duldet es die Erzdiözese München/ Freising, dass christliche Fundamentalist*innen ihre Kirche für antifeministische und reaktionäre Propaganda nutzt?
  • Ist es üblich, dass Prälaten aus anderen Diözesen Messen bzw. Taufen in der Paulskirche durchführen?
  • Wie steht das Bistum Fulda dazu, dass ein nicht unumstrittenes Mitglied ihrer Diözese gemeinsame Sache mit christlichen Fundamentalist*innen macht?

 

(1) Programmhinweis auf Radio Horeb

(2) Podcast mit der Predigt

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