Die „Pro Life Tour“ 2018: Reaktionär, antifeministisch, homo- und transfeindlich

Am 18. August endete nach knapp zwei Wochen die so genannte „Pro Life Tour“ der „Jugend für das Leben“ (JfdL) in Salzburg. Nach unseren Informationen hat das politische Fernsehmagazin „Kontraste“ vor, in ihrer Sendung am 23. August über die Tour der radikalen Abtreibungsgegner*innen zu berichten. 

Wir sehen darum die Notwendigkeit, die antifeministische Propaganda der selbst ernannten „Lebensschützer*innen“ einzuordnen und hier zusätzliche Informationen zu den oft so harmlos scheinenden Aktivist*innen zu teilen.  

Reaktionäres, antifeministisches Gedankengut  

fida, ein Blog für feministische Informations- und Dokumentationsarbeit hat ausführlich zur österreichischen „Jugend für das Leben“ und ihren Aktivitäten recherchiert und informiert in diesem Blog über die in Linz gegründete Gruppierung. So wird Verhütung von der „JfdL“ fälschlicherweise als „Frühabtreibung“ eingestuft. Den, von Abtreibungsgegner*innen selbst in die Welt gesetzten, Mythos des „Post-Abortion-Syndrom“, welches eine psychische Erkrankung darstellen soll, die einzig und allein durch die Durchführung einer Abtreibung ausbricht, verbreiten sie ebenfalls weiter, obwohl es keinerlei wissenschaftliche Beweise dafür gibt.

Wer sich zu diesen Themen sachlich informieren möchte, der*dem empfehlen wir die Bücher „Deutschland treibt sich ab“ von Eike Sanders, Ulli Jentsch und Felix Hansen oder „Kulturkampf und Gewissen“ von Kirsten Achtelik, Eike Sanders und Ulli Jentsch. 

Aber zurück zu „unseren“ Abtreibungsgegner*innen. Schon bei der Auftaktkundgebung auf dem Marienplatz in München fiel uns die Sprache und Methodik der Abtreibungsgegner*innen auf: 

  • die Rede war von sehr häufig von „Menschenrechten“, auch auf ihren Schildern wurden diese betont
  • feministische Parolen wie „My Body, My Choice“ (Mein Körper, Meine Entscheidung) wurden ins Gegenteil gedreht, aus ihnen wurde „Two bodies, right choice. Raise your voice“ 

Neben vielen anderen Dingen ließen uns diese Aspekte hellhörig werden. Denn beides sind Strategien, die ein kürzlich aufgedecktes Netzwerk mit dem Label „Agenda Europe“ (AE), in ihrem Manifest „Restoring the Natural Order“ („Die natürliche Ordnung wiederherstellen“) festlegte. Zum einen soll Sprache in Bezug auf Menschenrechte neu gedeutet werden. Indem die Abtreibungsgegner*innen also gängige Terminologie nutzen (und neu besetzen), soll die Sprache „kontaminiert“ werden. Die zweite Strategie ist das bekannte: Mache Dir die Waffen Deiner Gegner*innen zu eigen und nutze sie gegen sie.

Die Beziehungen der „Jugend für das Leben“ zur reaktionären „Agenda Europe“

Eins der Gründungsmitglieder dieses europaweiten Netzwerks ist die österreichische ÖVP-Abgeordnete Gudrun Kugler. Mit eben dieser Person pflegt die „JfdL“ enge Beziehungen, wie weitere fida-Recherchen zeigen. In ihrer Zeitschrift „Lifelines“ erschien zudem 2017 ein Bericht mit und über Gudrun Kugler. 

Noch einige Worte zur „Agenda Europe“: 

Dokumente, die ARTE im Sommer 2017 zugespielt und vom European Parliamentary Forum on Population & Development veröffentlicht wurden, zeigen, dass AE ein transnationales, in der gesamten europäischen Region strategisch organisiertes Netzwerk, fundamentaler Abtreibungsgegner*innen ist. Geführt vom Vatikan hat AE es in den vergangenen Jahren geschafft, Konsens zwischen allen konservativen Traditionalist*innen zu schaffen. 

Die gemeinsame Vision des sich konspirativ treffenden Netzwerks ist weit gefasst und reaktionär, es will die Errungenschaften von Jahrzehnten zerstören: Abtreibung und Verhütung sollen illegal sein, gleichgeschlechtliche Partnerschaften wieder unter Strafe gesetzt werden. In Bezug auf sexuelle und reproduktive Rechte möchte AE den rechtlichen und gesellschaftlichen Status Quo verändern. Und dieser steht im krassen Gegensatz zu fundamentalen Menschenrechten, die von EU-Gesetzgebung und Rechtsprechung des ECHR geschützt werden. 

Mehr Informationen findet Ihr in diesem Papier der European Parliamentary Forum on Population & Development. 

ARTE zeigte eine Dokumentation, die sich mit dem Netzwerk und den Aktivitäten der „Lebensschützer*innen“ beschäftigte. (Diese ist im Moment leider nicht verfügbar, kann aber bei Interesse sicher beim Sender angefragt werden). 

Zudem berichtete die taz in der vergangenen Zeit über Agenda Europe: 

Im Vorfeld zur Auftaktkundgebung hatten wir und die assoziation autonomer umtriebe Dachau zur „Pro Life Tour“ informiert und in München zu Gegenprotesten aufgerufen. Ein einordnender Nachbericht zur Tour folgt in Kürze.  

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