CDL Veranstaltung in München: Kommunikation als Strategie radikaler Abtreibungsgegner*innen

Am 27. April organisieren die „Christdemokraten für das Leben“ (CDL) gemeinsam mit der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung eine „Jugendakademie Bioethik“ in München. Der Veranstaltungsort ist das Konferenzzentrum der Stiftung in der Lazarettstraße 33 in München. Los geht es laut Einladung um 9:30 Uhr mit einer Begrüßung, das Ende ist auf 17 Uhr angesetzt.  

Der Versuch einer recht spontanen Einordnung bzw. Kommentierung:

Die Hanns-Seidel-Stiftung in München.
Foto: J. Patrick Fischer

Geleitet wird die Veranstaltung von Christiane Lambrecht, die der CDL-Bayern vorsteht. Auf der ganztägigen Veranstaltung wird Stefan Rehder von der ultrakatholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“ zum Thema Lebensrecht versus Selbstbestimmung sprechen. Er will „die Architektur der rechtlichen Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland“ vorstellen.

Die CDL wurde  1985 von Mitgliedern der Unionsparteien gegründet. Es ist also nicht verwunderlich, dass auch ein CSUler auf dem Programm auftaucht. Stephan Pilsinger ist Arzt, sitzt für die CSU im Bundestag und will zum Thema Aktuelle Brennpunkte der Bioethik sprechen. 

Am Nachmittag wird Christiane Lambrecht einen Workshop halten, wo es darum gehen wird, wie man als radikale*r Abtreibungsgner*in mit „kontroversen Themen“ umgehen kann. Wenn sie nicht gerade als so genannte „Lebensschützerin“ unterwegs ist, arbeitet Lambrecht bei Schütze Consult. In ihrer Rolle als Beraterin hielt sie erst kürzlich einen Workshop mit dem Titel „Gelungene Kommunikation bei kontroversen Themen“ bei der CSU. Das Geschwafel wird nun scheinbar bei ihren Freund*innen der „Pro Life“ Szene wiederverwertet.

Manipulation will gelernt sein

Abtreibungsgegner*innen haben aus der Vergangenheit gelernt, dass plumpe Anschuldigungen und Schockbilder gegenüber Frauen und Menschen die schwanger werden können nicht gut ankommen. Kein Wunder also, dass die Veranstaltung unter dem Label „Kommunikationsseminar“ läuft. Genau diese Ausrichtung zeigt wieder einmal, dass es radikalen Abtreibungsgegner*innen nicht darum geht, das komplexe Ganze zu betrachten und anzuerkennen, dass für manche Menschen der Abbruch einer Schwangerschaft eine Lösung ist, mit der sie sehr gut leben können. Vielmehr werden medizinische Kräfte weiter als „Auftragsmörder*innen“ verunglimpft, schwangeren Menschen abgesprochen der den eigenen Körper entscheiden zu können und auf eine „Lösung“ hingearbeitet, die schlicht dazu führen würde, dass viele ungewollt Schwangere an Abtreibungen sterben oder schwere gesundheitliche Folgen davontragen würden. Lambrecht applaudierte im Übrigen Papst Franziskus für seine Aussage „Abtreibung ist wie Auftragsmord!“ und schrieb davon, dass Abtreibung „immer ein mehrdimensionales Drama“ sei. Statt sich dieses „mehrdimensionale Drama“ aber anzusehen und auf den Trichter zu kommen, dass es mit einem Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen oder mehr finanzieller Unterstützung von Eltern nicht getan ist, werden Strategien erarbeitet, mit denen andere möglichst schnell verbal niedergeredet und manipuliert werden können.

Dies ist eine Praxis, die beispielsweise auch die „Jugend für das Leben“, die Jugendorganisation der „Aktion Lebensrecht für Alle“ (ALfA) anwendet. Von der letztjährigen „Pro Life Tour“ berichteten sie freimütig, wie sie ihr Gelerntes an Passant*innen anwendeten. Die ALfA ruft auf ihrer Seite ebenfalls zur Teilnahme auf.

Egal wie eloquent radikale Abtreibungsgegner*innen von CDL, ALfA, CSU und Co. gegen das Recht auf Abtreibung agitieren – es bleibt antifeministische Kackscheiße. Und als solche werden wir sie auch benennen.

 

Kommentare sind geschlossen.