Redebeitrag vom 22.6.2019: Club „Liverpool“ in der Schillerstraße 

Am 22. Juni demonstrierten wir anlässlich des Mordes an Walter Lübcke in München gegen rechten Terror. Wir starteten am Gerichtsgebäude, wo vor knapp einem Jahr das Urteil im NSU-Prozess gefällt wurde. Von dort aus liefen wir über die Schillerstraße zum Mahnmal für die Opfer des Oktoberfest-Attentats an der Theresienwiese. Wir steuerten einen Input zur Schillerstraße und der so genannten „Gruppe Ludwig“ bei:

Wir stehen hier vor dem Club Broadway, der früher „Liverpool“ hieß. Wir stehen hier, weil auch dieser Ort ein Schauplatz rechten Terrors ist.

Das „Liverpool“ heißt heute „Broadway“. Vor Ort erinnert nichts an den Anschlag aus dem Jahr 1984.

Am 7. Januar 1984 werfen hier zwei junge Männer je einen Kanister Benzin in den Eingangsbereich der Diskothek und setzen das Lokal in Brand. Acht Menschen wurden verletzt; Corinna Tartarotti, eine Barangestellte, erliegt drei Monate später ihren schweren Verletzungen. Sie war 20 Jahre alt. 

Verübt wurde der Anschlag von Wolfgang Abel und Marco Furlan auch bekannt als „Gruppe Ludwig“, die mal mehr mal weniger gezielt Menschen ermordet, die nicht in ihr spießig-reaktionäres Weltbild passten: Sexarbeiter*innen, Homosexuelle, Drogenabhängige, Geistliche oder Besucher*innen von Clubs wie dem „Liverpool“ werden von ihnen auf grauenhafte, menschenverachtende Art und Weise ermordet. 

Zwischen 1977 und 1984 töten sie mindestens 15 Menschen in Italien und Deutschland. 

Nach dem Anschlag auf das „Liverpool“ ermittelt die die Münchner Polizei in allzu bekannter Manier ausschließlich im heimischen Zuhälter*innenmilieu. Ein rechter Anschlag? Iwo. 

Erst als sich im Januar 1884 die „Gruppe Ludwig“ in einer Mailänder Zeitung zum Anschlag in München bekennt, wird klar, dass die Täter aus dem christlich-fundamentalistischen, extrem rechten Spektrum stammen. „Im Liverpool wird nicht mehr gefickt“ heißt es im Bekennerschreiben der „Gruppe Ludwig“ und „Eisen und Feuer sind die Strafe des Nazismus“.

Im März 1984 werden Wolfgang Abel und Marco Furlan in Italien, bei einem erneuten Anschlagsversuch verhaftet und später zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Beide sind nach Presseinformationen mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Der Anschlag hier auf das „Liverpool“ ist heute weitgehend vergessen. Wie Ihr seht erinnert hier vor Ort nichts an den Mord. Es ist also an uns, die Erinnerung aufrechtzuerhalten, sich nicht auf den Staat zu verlassen, wenn es um Aufklärung geht und vor allem die Opfer nicht zu vergessen. 

Wir gedenken an: 

  • Guerrino Spinelli
  • Luciano Stefanato 
  • Claudio Costa
  • Alice Maria Beretta 
  • Luca Martinotti 
  • Mario Lovato 
  • Giovanni Pigato 
  • Armando Bison 
  • Livio Ceresoli
  • Giorgio Fronza
  • Ernesto Mauri
  • Pasquale Esposito
  • Elio Molteni
  • Domenico La Sala
  • Corinna Tartarotti 

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