FDK-Kongress in Ingolstadt: Eine große rechtsklerikale Familie 

Vom 14. bis 16. Juni fand im Stadttheater Ingolstadt der Kongress „Freude am Glauben“ des Forums Deutscher Katholiken (FDK) statt. Unter dem Motto „Ohne Gott – keine Zukunft“. Die Notwendigkeit der Hinkehr zu Gott“ trafen sich (extrem) rechte Akteur*innen, um Stimmung zu machen gegen Homosexualität, Gender Mainstreaming oder das Recht auf Schwangerschaftsabbruch. Erwartet hatte das FDK rund 1300 Gäste, gekommen sind vermutlich rund 350.  

Auf dem Programm des Kongresses standen einige theologische Debatten über die Zukunft des Glaubens und der Kirche allgemein. Mit der Einladung zahlreicher antifeministischer Akteur*innen wie Josef Kraus, Jürgen Liminski oder Consuelo Gräfin Ballestrem sorgten Gindert und Co. dafür, dass der Kongress von uns und anderen kritischen Beobachter*innen ohne weiteres in die extrem rechte Ecke sortiert werden kann. 

Nach dem obligatorischen Gottesdienst im Münster und Grußworten von Hubert Gindert startete der Kongress mit einem Beitrag von Werner Münch. Der ehemalige Ministerpräsident Sachsen-Anhalts und Schirmherr des Kongresses gab mit seinem Input zum Thema „Demokratie lebt vor allem von Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit“ den Ton für die kommenden Tage an. Inhalte seiner Rede flossen in die späteren Resolutionen ein, auf die im weiteren Verlauf dieses Beitrags noch eingegangen werden soll. 

AfD-Sprech für die Alten, Manipulations-Workshops für die Jungen 

Im weiteren Verlauf des Kongresses kamen zahlreiche Akteur*innen aus dem rechten Spektrum und aus den Reihen bekannter Abtreibungsgegner*innen zu Wort. 

So erklärte Josef Kraus dem Publikum in seinem Beitrag, dass die „68er-Generation weitgehend die Medien beherrscht“. Daher kämen auch Themen wie Christenverfolgung oder „getötete Föten“ in der „allgemeinen Medienwelt“ nicht vor. Erst im Mai referierte Kraus auf Einladung der Gesellschaft für Deutsche Kultur e. V. zum Thema „Die Gender-Ideologie – die neue „68er“ Bewegung im Schloss Nymphenburg in München. 

Der Publizist und Opus Dei Mitglied Jürgen Liminski sprach zum Thema „Geht die ‚letzte Schlacht‘ um Ehe und Familie?“ und postulierte in seinem Beitrag, dass Ehepaare glücklicher seien als Singles. Der in NRW lebende Liminski schreibt in der aktuellen Ausgabe der FDK-Publikation „Der Fels“ (1) von „Rechtsbrüchen in der Flüchtlingskrise“, von „Lobhudelei für Greta“ und ätzt gegen die Presse, denen er Versagen vorwirft. Die Meinungsfreiheit sei nicht mehr gegeben, ein Diskurs nicht möglich. Sein Lösungsansatz: „Die Kirche wird offensiver werden müssen“. Ist das die „letzte Schlacht“ von der er so gerne spricht? 

Im Jugendprogramm des Kongresses tummelten sich Abtreibungsgegnerinnen wie Christiane Lambrecht von den Christdemokraten für das Leben (CDL) oder Hildegard Hageböck. Lambrecht veranstaltete wieder einmal einen ihrer Kommunikationsworkshops, um jungen Leuten zu vermitteln, wie sie Gesprächspartner*innen in „kontroversen Fragen“ begegnen können. Also wie sie Menschen beispielsweise möglichst nachhaltig unterschieben können, das Abtreibung Mord sei, um so den öffentlichen Diskurs zu bestimmen. Hageböck braucht so einen Workshop vermutlich nicht mehr. Sie ist, schaut man sich ihre Vorstellung auf der Seite des FDK an, Abtreibungsgegnerin in Vollzeit. Sie ist nicht nur bei der extrem rechten Katholischen Pfadfinderschaft Europa (KPE), sondern engagiert sich bei der Initiative Reine Herzen, der Jugend für das Leben, der Demo für alle und dem Marsch für das Leben in Berlin. 

Die Resolutionen: Rechtspopulismus und eine Erklärung für den tausendfachen Missbrauch 

Die oben genannten Resolutionen (2) waren, wie oben bereits erwähnt, vermutlich beeinflusst von der Rede Werner Münchs. Allerdings wurden sie laut Domradio „mehrheitlich beschlossen“ und im Anschluss veröffentlicht. (3) Vor allem die erste der beiden Resolutionen mit dem Titel „Gefährdung der Rechtsstaatlichkeit und unserer Freiheit“ hat es in sich. Das Forum Deutscher Katholiken wehrt sich dagegen, in die rechte Ecke gestellt zu werden. Jedoch katapultieren sie sich mit der Ingolstädter Resolution geradezu dorthin. 

  • Rechte Fundamentalist*innen vertreten ein streng binäres, also zweigeschlechtliches Weltbild. Die Ehe ist für sie eine „Gemeinschaft zwischen einem Mann und einer Frau (und Kindern)“. So sei es „über viele Jahrhunderte“ gewesen und solle es auch bleiben. 
  • Sie beklagen eine scheinbar fehlende Meinungsfreiheit und beschwören Orwell’sche Zustände herauf. Die „political correctness-Keule“ würde dazu führen, dass die „Regierung vorgibt“, was sagbar ist und was nicht. 
  • Ohne völkisch-nationalistisch Denken kamen sie nicht aus: So würden Regierungsvertreter*innen „das grundgesetzlich verbriefte Wort „Deutsches Volk“ durch „Bevölkerung“ ersetzen.
  • Was auch nicht fehlen darf, ist das bei Antifeminist*innen derzeit hoch im (Dis-)Kurs stehende Gender-Mainstreaming. In der Resolution ist die Rede von der „Ideologie“, die ohne parlamentarische Kontrolle zum „Leitprinzip“ erklärt würde. 
  • Sex und Lust sind schwierige Themen bei den verklemmten Katholik*innen des FDK. Ihnen Anhänger*innen dient Geschlechtsverkehr, der selbstverständlich nur in der Ehe zwischen „einem Mann und einer Frau“ stattfindet, ausschließlich der Fortpflanzung. Doch heutzutage würde mit dem Begriff der „sexuellen Vielfalt“ jegliche Verantwortung über Bord geworfen. Dieser Passus ist ein Verweis auf den vermeintlichen Werteverfall in einer von ihnen als dekadent bezeichneten Welt. Verantwortlich dafür machen sie in der Regel den (Queer-)Feminismus und die „sexuelle Revolution“ der 68er. 
  • Im Kontext des so genannten „Lebensschutz“ nehmen sie nehmen Bezug auf die derzeitige Diskussion um den Paragraphen 219a StGB, der die Werbung für Abtreibung regelt. Der neue „Kompromiss“ würde das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche de facto aufheben. Von dem immer noch laufenden Prozess gegen Kristina Hänel in diesem Kontext haben sie wohl in ihrer rechtsklerikalen Bubble noch nicht gehört. 
  • Die Medien bekommen auch noch eine Breitseite, Journalist*innen werden zu Handlangern der „da oben“ stilisiert: „Der zwangsfinanzierte Staatsfunk und zahlreiche Pressevertreter kommentieren so, als ob sie zum bezahlten Hofstaat der Regierung gehörten“. 
  • Der letzte Punkt bedient das Narrativ der „Flüchtlingskrise“. So hätte die Regierung wissentlich und willentlich die eigene nationale Souveränität aufgegeben und den Begriff „Rechtssicherheit“ durch „Willkommenskultur“ ersetzt. 
  • Gegen all das müssten sich die Teilnehmer*innen des Kongresses „mutig und öffentlich“ zur Wehr setzen. 

In der ersten Version der Resolution versuchte das „Forum Deutscher Katholiken“ Grünenpolitikerin Claudia Roth zu diffamieren. Sie hätte Deutschland ein „mieses Stück Scheiße“ genannt, ein Gerücht, das sich auf rechten Hetzplattformen hartnäckig hält. Das hat sie nur nie, der Satz verschwand ohne Hinweis auf den Fehler aus dem zweiten Entwurf der Resolution. (4)

Die zweite Resolution mit dem Titel „Das Evangelium wieder zum Leuchten bringen“ bezieht sich in erster Linie auf die derzeitige Krise in der Kirche. Verantwortlich für die zahlreichen Missbrauchsfälle sei – und hier zitieren sie den ehemaligen Papst Benedikt – die „Normlosigkeit“, die ihren Ursprung in den 60er Jahren habe. Eine Wende sei nur möglich, wenn anstatt des Menschen wieder Gott in den „Mittelpunkt des Denkens und Handelns“ gerückt würde. Sie lehnen die aktuellen Diskussionen um Zölibat, Frauenpriestertum, Sexualmoral oder Homosexualität ab und lehnen diesen „strikt ab“. 

„Zu viele AfD-Broschüren“ 

Die im Nachgang geäußerte Kritik an der Resolution wurde von Werner Münch, dem ehemaligen Ministerpräsident Sachsen-Anhalts zurückgewiesen. Im rechtspopulistischen Blättchen „Die Tagespost“ (4) lies er verlauten, dass er in seinem Vortrag „die Werte des Grundgesetzes verteidigt“ habe. Ulrich Bösl, der auf dem Kongress als Redner auftrat, gibt gegenüber der Zeitung an, dass ihm auf dem Kongress „zu viele AfD-Broschüren `Warum Christen AfD wählen’ rumlagen“. 

Laut eigenen Angaben soll der Kongress auch 2020 wieder in Ingolstadt stattfinden. 

(1) Der Fels (6/2019) S. 181 ff. 

(2) http://blog.forum-deutscher-katholiken.de/?p=10037 (zuletzt abgerufen 5.7.19 um 11:45 Uhr) 

(3) https://www.domradio.de/themen/soziales/2019-06-16/konservative-katholiken-zweifeln-meinungsfreiheit (zuletzt abgerufen am 5.7.19 um 11:47 Uhr) 

(4) https://www.katholisch.de/aktuelles/standpunkt/die-verraterische-sprache-des-forums-deutscher-katholiken (zuletzt abgerufen am 5.7.19 um 12:23 Uhr) 

(5) Die Tagespost, 27. Juni 2019, Würzburg, Jahrgang 72, Nr. 26 S. 1. 

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