40 Tage für das Leben

„40 Tage für das Leben“ ist eine Bewegung radikaler Abtreibungsgegner*innen die sich 2004 in den USA – genauer in Bryan Texas – gründete und dann nach und nach Nachahmer*innen auf der ganzen Welt fand. Immer im Frühjahr und Herbst stehen sie mit ihren Schildern und Bannern vor Kliniken oder Beratungsstellen und beten – 40 Tage lang. Diese Zahl ist für die konservativen Christ*innen symbolisch aufgeladen. Sie wurde gewählt, da z. B. Moses 40 Tage auf dem Berg Sinai verbrachte oder die Flut, die Noah dazu bewog eine Arche zu bauen dauerte 40 Tage und Nächte, etc. 

In Deutschland veranstaltete die Gruppierung im Frühjahr 2016 ihre erste Mahnwache in München, in Frankfurt am Main dann 2017. In München stehen die Abtreibungsgegner*innen vor dem Medicare Gesundheitszentrum in Freiham, das immer wieder zum Ziel selbst ernannter „Lebensschützer*innen“ wird. Im Frühjahr 2019 belästigten sie mit ihrer Anwesenheit zusätzlich die Beratungsstelle von Pro Familia in der Türkenstraße. 

Während der 40 Tage stehen Gruppen zwischen zwei und 20+ Personen betend vor den Orten an denen ungewollt Schwangere Hilfe und Unterstützung suchen. Die meisten sind Angehörige der kroatischen Gemeinde München, es wurden aber auch schon Personen aus dem Umfeld von Euro Pro Life bei den Mahnwachen beobachtet. 

Die kroatische Gemeinde in München ist in der katholischen Kirche St. Paul beheimatet, nutzte in der Vergangenheit das Pfarrhaus von St. Michael in Berg am Laim und verfügt über ein Haus in der Schwanthaler Straße.

Das Kroatische Haus in der Schwanthaler Straße in München

Recherchen des Journalisten Danijel Majić zeigen, dass die Bewegung ihren Weg nach Deutschland über Kroatien nahm. 2014 fanden dort die ersten Anti-Abtreibungsmahnwachen statt unter anderem in Sisak. Mit von der Partie war dort Boris Ð., ein verurteilter Straftäter, ehemaliger Fußball-Hooligan und Funktionär der kroatisch faschistischen Partei HCSP. Ð. wanderte nach Deutschland aus und gründete 2016 in München gemeinsam mit Sanela M. „40 Tage für das Leben“ – im eben genannten Kroatischen Haus in der Schwanthaler Straße. 

Auf den Facebook-Seiten von „40 Tage für das Leben“ wechseln sich Schockfotos vermeintlich abgetriebener Föten mit Kitsch-Bildern von Rosenkränzen und Frauen mit Babybäuchen ab. Ihre Rhetorik auf der Straße ähnelt diesem Muster. Sie reden einerseits davon, dass „ein Kind keine Last sondern eine Freude ist“ und werfen Menschen, die sich zur Abtreibung entscheiden gleichzeitig vor, „Kinder umzubringen“. 

Kurzinfos: 
  • die Autoren des kürzlich in den USA erschienenen Anti-Abtreibungsstreifens „Unplanned“ wurden von „40 Tage für das Leben“ beraten. 
  • Das „40 Tage für das Leben“ Umfeld agitiert gegen Homosexuelle: Laut Danijel Majic gibt es personelle Überschneidungen zur christlich fundamentalistischen „U ime obitelji“ (Im Namen der Familie). Die Vereinigung organisierte 2013 eine Volksabstimmung, mit der die rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der Ehe in Kroatien verhindert wurde.
Quellen: