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Nachbericht zur Kundgebung vor dem medicare-Zentrum

Rund 120 Abtreibungsgegner*innen haben sich heute, am 15. Oktober 2017,
vor dem medicare Gesundheitszentrum in Freiham versammelt, um gegen die
dort ansässige Klinik des Arztes Friedrich Stapf zu demonstrieren. Sie
folgten einem gemeinsamen Aufruf der „Aktion Lebensrecht für Alle
(ALfA) und der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL). Geleitet wurde
die Versammlung wie auch bei früheren Veranstaltungen von Christiane
Lambrecht (CDL Bayern). Neben Antonia Egger (ALfA) traten als
Redner*innen unter anderem ein Vertreter der „Jugend für das Leben“
(JfdL, Jugendorganisation von ALfA) aus Österreich, sowie der Kinderarzt
Dr. Holm Schneider (ALfA) auf.

Wieder einmal instrumentalisierten die Abtreibungsgegner*innen auch
Menschen mit Behinderung. So durfte eine Person mit Down-Syndrom, die
„trotz ihrer Behinderung sehr gut Schach spielen“ könne (Schneider),
ihre bei Turnieren errungenen Pokale präsentieren, was von den
Teilnehmer*innen der Demonstration beklatscht wurde. So zeigten die
Abtreibungsgegener*innen abermals, dass es ihnen keineswegs um einen
diskriminierungsfreien Umgang mit Personen mit Handicap geht, sondern
vielmehr um eine Instrumentalisierung dieser Personen für ihre Anliegen.
Ebenso verfuhren die Organisator*innen der Demonstration mit einer Frau,
die von einer früheren Abtreibung, die sie hatte vornehmen lassen, und
die sie heute bereue, berichtete. Statt dem Thema mit Rücksicht auf die
Gefühle der Frau zu begegnen, betonte Christine Lamprecht im Anschluss
an die Rede der Frau, wie wichtig es sei, die eigene „Schuld“ nach einer
Abtreibung einzugestehen. Zwar thematisierte eine Rednerin* auch, dass
es oft die gesellschaftlichen Umstände seien, die Frauen* zu
Abtreibungen drängen würden, doch auch sie blieb dabei, Abtreibungen zu
kriminalisieren, statt eine ernsthafte Veränderung der
gesellschaftlichen Umstände anzustreben.

Auf der Kundgebung waren auch einige Personen aus dem Umfeld von
Wolfgang Hering (EuroProLife) anwesend.

Eine aufgebrachte Anwohnerin* konfrontierte die Demonstrierenden mit
Flyern, die Abtreibungsgegner*innen in den letzten Wochen in die
Briefkästen der Anwohner*innen rund um das Gesundheitszentrum geworfen
hatten. In dem als Werbung für die Eröffnung einer Pizzeria mit dem
Namen „Pizza Centro“ getarnten Faltflyer sind zwei Pizzen beworben. Eine
„Pizza Mafioso mit leckerer Salami vom Kind“ und eine „Pizza Diabolo mit
saftigem Schinken vom Kind“. Zusätzlich sind darin der Art Friedrich
Andreas Stapf und sein Vermieter Hans Hammer abgebildet. Die Klinik, von
Dr. Stapf wird außerdem als „Kinderschlachthof“ bezeichnet, über Stapfs
Kopf prangt ein Button mit der Aufschrift „Stapf muss weg“. Die
angesprochenen Teilnehmer*innen der Demonstration fanden den Flyer
zumeist in Ordnung, schließlich werde darauf die Wahrheit verkündet.
Einige Demonstrant*innen gingen dabei sogar soweit, Abtreibungen mit dem
Holocaust zu vergleichen. Nur wenige fanden den Flyer unangebracht.
Verantwortlich für den Flyer zeichnet Gerhard Woitzik,
Bundesvorsitzender der Deutschen Zentrumspartei.

Bevor Christiane Lamprecht schließlich die Kundgebung beendete, dankte
sie Gott für das gute Wetter und ließ die Teilnehmer*innen abstimmen, ob
diese lieber im Winter oder im Frühjahr wieder kommen wollen. Die
Teilnehmer*innen entschieden sich für den Winter und so kündigte
Lamprecht an, eine weitere Kundgebung mit Kerzen für diesen Winter zu
organisieren.

Fundis zum Teufel jagen!

Am 25.2. wollen selbsternannte „Lebensschützer*innen“ wieder einmal ihren Gebetsmarsch durch die Münchner Innenstadt veranstalten. Betend will das Grüppchen, angeführt von Wolfang Hering von Euro Pro Life e.V. , dann mit ihrer Marien-Ikone und Schildern durch die Straßen ziehen und ihre antifeministische Propaganda verbreiten.

Christliche Fundamentalist*innen sind große Fans der biblischen Schöpfungsgeschichte und -ordnung. „Adam und Eva“ stehen dabei für eine strikt zweigeschlechtliche Ordnung, die Heterosexualität als Norm festsetzt. Gleichzeitig bildet dieses Weltbild die Basis für ihre frauen*feindliche, und rassistische Ideologie und ihre Hetze gegen die LGBTQI*-Community.

Ginge es nach ihnen, würde das Recht der Frau* auf Schwangerschaftsabbruch sofort rückgängig gemacht werden, denn der weibliche Körper gehört ja nicht der Frau* sondern Gott und der Nation. Dieser Denke liegen also nicht nur ekelhaft antifeministische sondern darüber hinaus völkische Ideologien zu Grunde. Das Selbstbestimmungsrecht der Frau* wird mit Füßen getreten, ihr Körper hat gefälligst dem Volkskörper dienen.

Es mag für die ein oder anderen vielleicht lustig anmuten, dass da ein Grüppchen betend durch die Gegend stiefelt. Doch es wäre fatal, die „Lebensschützer*innen-Bewegung“ als irrelevant abzutun. Das sind sie nicht. Vielmehr sind sie fest in unserer Gesellschaft verankert und ihre Ideologie wird in Parteien, zahlreichen Vereinen und Bewegungen im rechten Spektrum weitergetragen und reproduziert. Sie sind Teil der reaktionären, rechten Massenmobilisierung und des damit einhergehenden antifeministischen Rollbacks.

Also kommt mit uns auf die Straße, seid laut, seid obszön, und diabolisch. Wir haben keinen Bock auf christlich-reaktionäre Kackscheiße. Es ist Zeit den Fundis in München zu zeigen, was wir von ihnen halten. Nämlich nix.

Gegen das Patriarchat und den sexistischen Normalzustand, für Selbstbestimmung.

Treffpunkt ist um 9:30 Uhr am Eine Welt Haus in München.
*LGBTQI steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, Intersexual